• Birdie

Online-Shopping in der Schweiz

Aktualisiert: Juni 4

Neulich wollte ich mein Lieblingseis kaufen; Pfefferminz mit Schokolade. Quasi After Eight als Eiscreme. In keiner Filiale mehr erhältlich, nirgends. Ein Blick online: Jaaaa, erhältlich! Mache ich halt meinen Wochenendeinkauf online bereits am Donnerstag Abend. Die erste kleine Hürde; der Mindesteinkauf von hundert Franken. Ein Schweizer Phänomen? Im Ausland habe ich das kaum je gesehen. Bis zum Betrag X bezahle ich Liefergebühren darüber gibt es sie oft frei Haus. So einfach ist das.


Lieferung am Samstag Mittag ab 13:00 Uhr? Ja, das passt mir. Bis ich das Datum sehe: Samstag 23. Mai nicht Samstag 16. Mai. Liebe Coop@home bis dahin bin ich Hungers gestorben oder zumindest so geschwächt, dass ich den Gang in die Filiale zum abholen nicht mehr aus eigener Kraft schaffe.


Kein Einzelfall. Neulich wollte ich das gestohlene Fahrradnetz für das Körbchen ersetzen und eine Pumpe brauchte ich auch. Beides gefunden. Auch hier: Mindestbestellbetrag nicht erreicht - nennt es doch einfach Liefergebühren, kein Problem. Die Pumpe wird am nächsten Tag geliefert. Wo ist das Netz fürs Körbchen? Es war doch an Lager. Die Pumpe dafür in einer Verpackung in der mindestens zwanzig weitere Pumpen Platz gefunden hätten und mit Füllmaterial, das für die halbe Schweiz für die nächsten Wochen reicht. Kein Wunder kollabiert unsere Post.


Wenn jeder solche Pakete verschickt, wird das für jede Logistik zur Herausforderung. Ist es schwierig, adäquate Paketgrössen an Lager zu haben? Aus lauter Wut hätte ich das Paket am liebsten zurückgeschickt. Aus Rücksicht gegenüber der Post liess ich es bleiben. Auch sonst, liebe Galaxus ist eure Werbung viel unterhaltsamer wie der Einkauf. Das liegt nicht nur an der Verpackung, sondern auch an der Website u.a. an den Begrifflichkeiten die bisweilen etwas Kopfzerbrechen verursachen.


Ähnliches bei Manor: Wäsche bestellt von der ich laut Bild glaubte, dieselbe nachzukaufen, entpuppte sich als etwas anderes. Kein Wunder, wenn das Bildmaterial und der Beschrieb so dürftig sind. Sicher gibt es tausend gleiche und ähnliche Geschichten. Man könnte glauben, Online-Shopping sei in der Schweiz soeben erfunden worden quasi eine Geburt in der Krise.


Ich bin seit 2004 Ebay-Mitglied mit verifiziertem PayPal-Konto. Das zeigt, wie lange es Online-Shopping gibt - über zwanzig Jahre. Das scheint in der Schweiz nicht bei allen Shops angekommen zu sein. Aufbau, Sortiment, Suchfunktionen, Beschriebe, Grössenangaben, Bilder, Formatierungen und über Verpackung und Lieferzeit wollen wir gar nicht reden.


Ausnahmen ausgeschlossen, die gibt es, das habe ich erlebt. Aber nicht so oft. Dafür gibt es Click & Collect was teilweise wunderbar funktioniert: Meine Wäsche wollte ich im Geschäft zurückbringen. Was ich erlebte war eine Tour du Monde vom Kundendienst im obersten Stock der nicht zuständig sein wollte nach unten zur Kasse einer ratlosen Verkäuferin, die nicht wusste was sie mit mir anfangen sollte. Ersatz gab es leider keinen. Eine weitere Bestellung, die sie nicht an Lager hatte, nahm sie freundlich auf. Die Ware sei bestimmt in den nächsten zwei Wochen da, ich würde von ihr hören. Das war vor einem Jahr.


Warum nur kaufen diese unverschämten, verwöhnten Kunden so viel im Ausland wo man es ihnen doch so einfach macht in der Schweiz? Ich weiss es auch nicht. Ich bin auch grad einigermassen fassungslos.


PS: Das Bild, keine Schleichwerbung, aber ich gestehe: American Express ist tatsächlich meine erste und einzige Lieblings-Kreditkarte. Zwar ist meine grün wie die des ehemaligen US-Präsidenten Bush Senior. Man sagt, er hätte sich beim Besuch einer Schule ausweisen müssen. Die Schüler glaubten nicht, dass er der Präsident sei, worauf er seine grüne American Express zückte. Seltsamerweise war die Firma nicht sehr erbaut über diese Werbung. Der Präsident nur mit einer grünen Karte?


Die Karte prägte meine erste Zeit als junge Mediaassistentin bei Ogilvy & Mather und erinnerte mich an meine damalige Chefin, die lakonisch meinte, das sei keine richtige Kreditkarte, weil man die Monatsrechnung vollständig bezahlen müsse. Das heisst keine Armeleute-Karte wie Visa fügte sie an. Dieser Satz hat mich geprägt, liebe Yvonne Boller. Leider musstest du uns viel zu früh verlassen. Damals gab es kein Online-Shopping, es gab die "Ritsch-Ratsch-Geräte" mit den Durchschlägen im Handel. Das waren noch Zeiten..




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