• Birdie

Meinungen & Debatten: Warum Humor ein guter Ratgeber ist

Aktualisiert: Juli 20

Sagen Sie mir Ihre Meinung! Wollen Sie diese auch hier veröffentlicht sehen? Seien Sie unbesorgt. Bei mir können Sie sich äussern. Keinen Einfluss habe ich zwar, wer diese noch lesen wird. Auf jeden Fall werde ich nicht über Sie richten. Heute wird über vieles diskutiert. Universitäten bieten Debattier-Clubs an. Tageszeitungen geben Externen eine Plattform. Das vermittelt einen liberalen Eindruck; die Meinungen, die dort vertreten sind, stimmen mit der Meinung der Redaktion nicht immer überein. Soweit so gut. Unverfänglicher ist meist, über Fachspezifisches zu diskutieren. Das Schlimmste, was uns passieren kann, ist, dass wir dumm dastehen, weil wir etwas sagen, das nicht korrekt ist. Das passierte mir letzten Herbst. Wenn man wie ich aus Verkauf und Kommunikation kommt und in einem neuen Gebiet tätig wird, sollte man sich nicht in Detail-Diskussionen verlieren oder sich dazu herausfordern lassen. Man kann nur verlieren. So war das auch. Ein JA zur falschen Zeit, am falschen Ort, und ich wurde rüde stehen gelassen. Er dachte wohl; Frauen und Technik. Darüber stehe ich. Dieses Selbstbewusstsein sollte man auch haben. Ich bin weder Ingenieur noch baue ich Systeme oder Lösungen. Wir verkaufen, vermitteln, suchen Lösungen für unsere Kunden, die ihren Alltag und den ihrer Mitarbeiter einfacher gestalten. Dafür arbeiten wir mit Experten zusammen. Nicht mehr, nicht weniger. Übrigens; so rüde stehen gelassen zu werden, hat mich zwar verblüfft, aber auch belustigt, strahlt es doch auch eine gewisse Hilflosigkeit aus.


Schwieriger wird es, wenn wir über Politik, Gesellschaft, ja Geschichte, Medizin diskutieren. Schnell begibt man sich auf vermintes Gebiet. - Ich liebe diesen Ausdruck. Er klingt etwas kriegerisch. Ist aber einfach ironisch gemeint und leider nur zu oft passend. Denn bei vielen Themen ist der Meinungsaustausch heute riskant, in der Öffentlichkeit wie im Freundeskreis. Ich wage zu behaupten, dass man früher milder gestimmt war. Es herrschte Gelassenheit. Vielleicht weil man nicht über alles bis ins letzte Detail informiert war? Weil es keine Minuten schnelle Verbreitung auf viralem Weg gab? Bis der erste reagierte, war das Thema oft schon durch oder kam bei vielen gar nicht erst an. Wie schön. Man musste nicht alles wissen, und das Leben nahm trotzdem seinen Lauf. Heute wird diskutiert was das Zeug hält. Jede Handbewegung, jeder Fingerzeig zu einem Ereignis stilisiert und analysiert. Jedes Leiden hat schneller als uns lieb ist einen passenden Namen, wird ausgeschlachtet und vermarktet. Jeder Mikrokosmos stösst auf reges Interesse und findet durch die Verbreitung im Netz in Windeseile viele Anhänger. Alles wird im Minutentakt gelesen, geteilt, geliked, getwittert. Da wundern wir uns, dass das Netz uns so gut kennt, wir zum gläsernen Individuum werden. Bei den Datenmengen- und Spuren, die wir überall hinterlassen, nicht weiter erstaunlich. Paul Watzlawick sagte zu Recht: Man kann nicht nicht kommunizieren. So funktioniert auch das Netz. Nur zu dumm, dass wir das immer erst im Nachhinein merken.


Dass wir uns heute zu allem eine Meinung bilden können, ist legitim und nicht verwerflich. Es zeigt, dass wir über Informationsvielfalt verfügen oder zumindest Zugang haben. Warum fällt es uns aber so schwer, andere Meinungen vorbehaltlos zu akzeptieren und diese einfach so stehen zu lassen? Leser-Kommentare ziehen immer wieder mein Interesse auf sich. Jedes Medium hat seine eigene Dynamik. Das ist spannend. Meist geht es gesittet zu und her, weil vieles eh schon aussortiert ist. Doch gerade im Netz sinkt die Hemmschwelle immer öfter. So hoch die Emotionen gehen, so tief fällt der Verstand. Da muss ich mich u.a. als Frau selbst etwas an der Nase nehmen. Wir sind oft sehr emotional. Das ist nicht per se schlecht, aber etwas mehr Nüchternheit und Humor schadet meist nicht. Lieben wir nicht die humorvollen Menschen? Beschreiben Sie Ihren idealen Partner! Mit Sicherheit werden Sie das Attribut "humorvoll" erwähnen. Niemand mag Verbissenheit geschweige würde sich so bezeichnen. Das heisst nicht, dass wir nicht gleichzeitig ernsthaft sein und Emotionen zeigen dürfen. Aber, dass wir vieles wie vor den Zeiten des Worldwideweb gelassener und humorvoller nehmen sollten. Dann fällt es uns einfacher, andere Meinungen zu respektieren und sie so zu nehmen wie sie sind: Als Zweit-Meinung neben der Unsrigen. Und dazu sich und seine Welt etwas weniger wichtig zu nehmen. Nützt es nichts, so schadet es zumindest nicht.



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