• Birdie

Fashion & Victim

Aktualisiert: 27. Nov 2020

Ein Opfer in Sachen Mode will niemand sein. Das ist banal. Wenn wir uns in Zeiten von Zara, H&M & Co. umschauen, besteht für viele auch keine Gefahr. Das meiste ist absehbar, fast bieder, weil Massen tauglich gefragt ist. Schließlich will man ja verkaufen. Das ist übrigens auch gut bei gehobenen Online Shops zu beobachten: Alles was preislich im Rahmen liegt, nicht zu ausgefallen in Schnitt und Farbe ist, geht meist weg wie warme Semmeln. Aber wo fängt Fashion an und wo werden wir zum Victim? Die Grenze ist fließend und subjektiv und hängt vom gesellschaftlichen Stand und Umfeld ab. Iris Apfel geht in Schlieren wie auch in Zürich als Fashion Victim durch, zumindest als originell, wohingegen sie in New York kaum auffällt. Ein Fashion Victim hat oft Unterhaltungswert - für ihre Umwelt - unbewusst. Meist ist es von der Fashionista zum Fashion Victim ein kurzer Weg. Man sagt nicht zu unrecht, dass wirkliche Stilikonen nicht stundenlang vor dem Kleiderschrank stehen, sondern eine sichere Hand für ein schnell zusammengestelltes Outfit haben ohne aufgesetzt zu wirken. Zu viel Aufwand ist schnell entlarvt und entsprechend quittiert. Das Umfeld ist erbarmungslos. Nicht umsonst sagt der Fotograf und Blogger Scott Schuman "Wear the Clothes You have". Zumindest mit meinen alten braunen Budapester gehe ich ganz mit ihm einig: Ich kann mich weder von ihnen trennen noch sie ersetzen, weil sie so schön und bequem sind - kurz ein Pièce de Résistance. Beim Rest bin ich etwas weniger strikt will heißen ich erliege oft der Versuchung zu widerstehen. Mir werden ohnehin viele widersprechen; im Sinn von "Nichts anzuziehen". Vermutlich weil der Schrank so voll ist, und wir die schönen Stücke einfach übersehen. Ich persönlich mag meine alten Sachen: Sie sind nicht mehr zu neu, um sie schonen zu müssen, bereits etwas eingetragen und entsprechend bequem und meist noch gepflegt und im Tragen erprobt. Richtig schwer tue ich mich mit neuen Schuhen. Es reut mich, diese zu tragen, und ich überlege tausendfach hin und her ob ich sie behalten soll. Gerne erinnere ich mich an einen Text von Wäis Kiani in welchem sie ein Rendez-vous im neuen, noch nie getragenen Outfit beschreibt - einfach herrlich. Ist mir so aber nie passiert. Entweder zu wenige Rendez-vous's oder zu wenig neue Outfits? Oder sie hat mich klug davor bewahrt? Ich befürchte ersteres, weil ich mich schon zu oft gelangweilt habe und der Meinung bin, dass ich dies auch allein tun kann. Mit den neuen Outfits tue ich mich zur Zeit schwer. Ich kann mich kaum entscheiden ob ich etwas behalten respektive kaufen oder es lieber lassen soll. Das Bankkonto sagt letzteres, der Kopf ersteres, und die Vernunft ist ohnehin derselben Meinung wie das Bankkonto. Darum mache ich es jetzt kurz, ich bin ja nach wie vor keine Fashion-Expertin, aber eines weiß ich: Ein Mann welcher mehr Zeit im Bad zubringt wie ich, ist mir ein Graus. Etwas Unbeholfenheit in Sachen Fashion ist für mich wesentlich reizvoller wie einer, der mir die Vogue aus der Hand reißt und die neusten Trends erklärt. So viel Mann muss einfach sein, da bin ich altmodisch. Von mir aus darf er "typisch Frau" murren - das passt. Denn Männer, die sich Frauen zu sehr angleichen, sei es im Äußeren oder in ihrem Gebaren, sind mir ein Graus. Das ist einfach wenig sexy. Ich glaube, dass das viele Frauen unbewusst ebenfalls nicht mögen. Kein Wunder ist der Macho immer noch nicht ausgestorben. Er wird es vermutlich noch lange nicht sein, auch wenn wir ihn bisweilen etwas zähmen müssen. Wie mein Geschäftspartner kürzlich ironisch meinte als ich ihm einen Termin durchgab, er lasse sich normalerweise nichts von Frauen sagen. Das stimmt natürlich, weil Männer das meist gar nicht mitbekommen. Frauen sind subtil im Positiven und leider auch im Negativen.





31 Ansichten0 Kommentare

© 2020 ACL Atticus Contemporary Living GmbH

Impressum   |   AGB   |   Datenschutz