• Birdie

Die unerträgliche Schwere des Seins

Aktualisiert: Juli 20

Kürzlich schaute ich mir "American Gigolo" an. Ein Filmklassiker von 1980. Die Leichtigkeit, die Sorglosigkeit stimmte mich wehmütig. Man kann einwenden das ist Hollywood und nur ein Film. Aber es ist nicht das. Es ist die Zeit. Dasselbe Gefühl noch stärker bei "The Graduate". Wehmütig sehe ich sie mir an. Diese Sorgen möchten wir haben. Leider lösen solche Gefühle aktuelle Filme ebenso aus. Jede Begegnung, jede Handlung erinnert wie schön das alles war. Es löst Traurigkeit aus über eine Zeit, die vielleicht nicht wiederkehrt. Dabei wollten wir uns ablenken. Aber es gelingt nicht und fühlt sich auch nicht gut an. Weil da immer diese Leere ist. Dabei geht es nicht darum, dass wir de facto unter Hausarrest stehen. Es ist mehr die Angst, das Haus zu verlassen und sich anzustecken. Die Bilder aus Bergamo mit den Lastwagenkolonnen sind auch nicht hilfreich, ebenso nicht die Medien, die atemlos und gebetsmühlenartig im Minutentakt die exakte Anzahl Ansteckungen und Verstorbene rapportieren. Vermutlich das Medienereignis des Jahrhunderts. Dabei ist es ein schmaler Grat zwischen Berichterstattung und Auflagen- respektive Clicks generieren. Leider lebt es sich von solchen Ereignissen gut, vor allem eine Branche, die mehr oder weniger still vor sich hin leidet hat hier ihre Berufung gefunden. Mehr und mehr will man nur noch eins: Die Flucht ergreifen. Die virtuelle Flucht. Vielleicht bekommen wir das am Ende ja noch hin.


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