• Birdie

2014 und kein Jubiläum

Aktualisiert: Juli 20

Ein denkwürdiges Jahr. Ein Jubiläum, für das die Bezeichnung wenig passt. Laut Wikipedia: Ein erfreuliches Ereignis. Aus heutiger Sicht wenig erfreulich; der Beginn des 1. Weltkrieges 1914. Von Medien als Jubiläum bezeichnet. Sondereditionen, Dokumentarfilme besprachen das Thema. Der 1. Weltkrieg ist uns fern, aus Schweizer Sicht. Wir waren weder dabei noch involviert. Grenzen zu Frankreich bewacht, das war's. Keine emotionale Verbundenheit, kaum Erinnerungen. Verwandte leisteten Militärdienst, nicht mehr, nicht weniger. Schweizer sind unbefangen und neutral. Die vielen involvierten Nationen können das kaum nachvollziehen.


Geschichte fasziniert mich; egal wie langweilig oder interessant unterrichtet. "Im Westen nichts Neues" las ich in der Schule, viele Male. Später alle Sonderausgaben, Reportagen zum Thema 1. Weltkrieg. Ich verstand nie, weshalb der Krieg im Eilzugtempo behandelt wurde. Später von Ernst Jünger "In Stahlgewittern" - quasi das Pendant zu "Im Westen nichts Neues". Viele Versionen. Er wird bis heute verurteilt, Krieg begeistert, verherrlichend zu sein. Krieg war damals abenteuerlich, wild romantisch. Unvorstellbar, dass es nicht so sein könnte. Auch für Ernst Jünger nicht, der nach dem Abitur in den Krieg zog. Ein Abenteuer, das zu Weihnachten vorbei sein würde. Das Abenteuer dauerte vier Jahre. Zehn Millionen Tote, 20 Millionen verwundete Soldaten. Zivile Opfer weitere sieben Millionen.


Ein Bericht über Verdun liess mich im Sommer 2014 die Region besuchen. Ein Bericht über die Schlachten von Ypern, beide Schauplätze zu besuchen. Mein Weg durch dichtbewaldete Vogesen nach Verdun. Die Fahrt; länger als gedacht, aber zu schön, um sie zu missen.


Kleine Landstrassen durch Wälder, Weiler, Dörfer. Es lohnt sich die Zeit. Kein Hotel in Verdun. Zu nah am Geschehen war ein guter Entscheid. Dafür etwas in der Nähe, am Lac de Madine.



Lieblicher See, schön zum Verweilen, doch dieser Sommer war der falsche. Kein Baden, kein Ausritt, Reiten in der Halle "attention aux talons". Das Wetter düster, passend zum Jubiläum. Besuch des Kriegsdenkmals Montsec, der November-Blues. Saint-Mihiel, Bar le Duc grau und verdriesslich. Vieles ärmlich, die Gegend um Lac de Madine viel Landwirtschaft, Obst. Fahrt nach Verdun. Wälder, das Wetter bedeckt, grau. Fröstelnd nicht nur das kühle Wetter. Das Gefühl, durch die Wälder des Krieges, Unbehagen. Ich war nicht die einzige. Immer wieder das Gefühl, ein Trupp Soldaten mit Bajonette und Spitzhaube eile bald über die Strasse. Besuch von Fort Vaux. Die zahlreichen Forts rund um die Stadt mit deutlichen Spuren des Kriegs, nach hundert Jahren. Viele Dellen, Hügel. Der Krieg lebendiger als die Bevölkerung sich wünscht. Verdun lebt damit. Kein Vorbei und Vergessen. Zu deutlich die Narben. Ein guter Einblick gibt: https://www.verdunbilder.de/spuren-der-schlacht/. Wer es gesehen hat, wird immer daran denken. Die Nachricht an einen Deutschen Bekannten, die Region löse Beklemmung aus, meinte er trocken, er verstehe nicht weshalb man sich das antue. Ich finde, man soll man sich antun, sich damit auseinandersetzen, sehen, was Krieg anrichtet.


Die Tage in Verdun, das trübe Wetter, die Stimmung, die Zeit steht still. Die Weiterfahrt via Ardennen nach Ypern, eine Erlösung. Das Wetter tat auf, die Sonne, erst fahl, schwach, dann kräftiger. Ein Wechsel der Szene. Verdun vor allem mit französischen Besuchern, und nicht immer allzu viele, Ypern durch Schlachten mit internationaler Beteilung anders. Lebendig, fast quirlig, viele Besucher aus Belgien, Frankreich, Deutschland, England, Irland, Holland, Australien, Neuseeland. Ypern, wieder erbaute Stadt der Tuchhändler; in den ehemaligen Tuchhallen befindet sich auch eines der spannendsten Museen über den ersten Weltkrieg: http://www.inflandersfields.be/de . Ein Besuch lohnt, die Bilder und Zeitzeugen gehen nah, aber nie zu nah, dass es zu beklemmend wird. Die Region um Ypern mit viel Sehenswertem. Mit dem Rad Schützengräben, die nah umkämpften Hügel wie Hill 60 und vieles mehr besuchen. Etwas vom Eindrücklichsten; der Last Post Ceremony am Menin Gate. Jeden Abend um 20:00 Uhr die Zeremonie mit Kranzniederlegung, Ehren der gefallenen Englischen Soldaten, die nicht repariert worden sind. Eindrücklich, schade, dass viele Besucher stille Minuten nicht geniessen, Mobile, iPad, Kamera zücken. Das Hotel am See nahe Ypern die fast perfekte Oase. Viele Friedhöfe fügen sich wie selbstverständlich in die Landschaft ein.


Flandern lohnt. Es bleibt die Stätte von Krieg, Verwüstung. Die Region lebt damit, die Zeitzeugen gehören dazu, bieten ein Bild von Frieden, Wohlstand. Touristisch vielseitig, mehr als Schützengräben, Friedhöfe, Museen, schöne Landschaften zum Radfahren, schöne Städte zum Besichtigen und Flanieren, attraktive Hotels. Das Meer. Nein, ich bin nicht von Flandern Tourismus.


Die lange Fahrt über Brügge (pittoresk trotz Tourismus lohnenswert) nach Antwerpen (leider ist am Montag das Musée de la mode d'Anvers https://www.momu.be/de.html geschlossen) - Autobahn, Ardennen - bis bald..




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